Monatsarchiv: Januar 2009

Schwelendes Buschfeuer bei “Wetten, dass… ?”

Ab 20.15 Uhr erstmal bei “Wetten, dass… ?” reinschauen und dann um 21.30 Uhr zum Dschungelcamp wechseln – so sah meine Fernsehplanung für gestern Abend aus. Doch schon nach einer Viertelstunde fand ich “Wetten, dass… ?” ekliger als alles, was ich bisher im Dschungel zu sehen bekam…

Schon die Begrüßung bei “Wetten, dass… ?” mutet seltsam an: Gottschalk, kühl und nervös, verzichtet auf den obligatorischen Stand-Up und geht direkt nach dem tosenden Einstiegsapplaus zur zwitterhaften Stadt-/Saal-Wette über. Ich fühle mich ein bißchen weniger angekommen als sonst, schaue aber tapfer weiter zu.

Jörg Pilawa wird als erster Gast auf die Couch gebeten. Mich erinnert er an die Grinsekatze aus “Alice im Wunderland”, Gottschalk hingegen kündigt ihn ganz bescheiden als Vertreter des Bildungsfernsehens an: Schließlich moderiere der Kollege ja Quizsendungen und als Zuschauer sei man hinterher immer etwas schlauer. Und schon legen die beiden los und betreiben ein scheinheiliges Format-Bashing gegen das Dschungelcamp.

Eine derart große Ansammlung von Silikon sei einzigartig in Deutschland – und sowas wolle ja nun wirklich niemand sehen. Ich frage mich jedoch, ob die Brust-OP-Quote von Gottschalks Damenbesuch wirklich deutlich kleiner ist. Im Dschungel liegt der Schnitt bei 3:2 (und das Implantant, wie wir gelernt haben, über oder unter dem Muskel) und dieses Verhältnis scheint mir für Hollywood-Schönheiten und deutsche Promi-Ladies generell eine realistische Schätzung.

Ob es eine Option sei, wenn sich Moderatoren ihres Kalibers auch einmal mit ekligem Getier umgeben würden, lautet Gottschalks nächste Frage sinngemäß. Die Antwort des unfassbar überheblich wirkenden Pilawa ist natürlich ganz klar nein, das Publikum wird durch eine übertrieben lange Pause zu einem ungewollten Zwischenapplaus gezwungen.

Aber ob nun Gottschalk als Würstchen im Senftopf badet oder Peter Bond geaalschleimt und gefedert wird, das Niveau ist absolut das gleiche – nur die gute Quote liegt eben nicht mehr beim sinkenden Samstagabend-Flagschiff und seinem divenhaften, gekränkten Moderator, der sich damit nicht so recht abfinden mag.

Noch während des Talks mit Pilawa erkläre ich den “Wetten, dass… ?”-Abend für beendet. Eine gute Entscheidung, wie sich hinterher herausstellt. Denn auch die Kot-Wette und die transig-tuckige Karnevalsgarde sind deutliche Anbiederungen an das offziell verhasste, insgeheim aber zum Vorbild genommene RTL-Konkurrenzprogramm.

Den Quotenkampf entscheidet “Ich bin ein Star – Holt mich hier raus” übrigens mit 37,5 zu 24 Prozent Zielgruppen-Marktanteil klar für sich. Und auch in puncto Öffentlichkeitswirkung und Medienecho liegt der Dschungeltrash vorn: SPIEGEL ONLINE etwa veröffentlicht sage und schreibe drei Artikel zum Finale von “IBES” und einen zum Thema “Wetten, dass… ?”.  ■

http://www.quotenmeter.de/cms/?p1=n&p2=32738&p3=