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Schwelendes Buschfeuer bei „Wetten, dass… ?“

Sonntag, 25. Januar 2009 · Kommentar schreiben

Ab 20.15 Uhr erstmal bei „Wetten, dass… ?“ reinschauen und dann um 21.30 Uhr zum Dschungelcamp wechseln – so sah meine Fernsehplanung für gestern Abend aus. Doch schon nach einer Viertelstunde fand ich „Wetten, dass… ?“ ekliger als alles, was ich bisher im Dschungel zu sehen bekam…

Schon die Begrüßung bei „Wetten, dass… ?“ mutet seltsam an: Gottschalk, kühl und nervös, verzichtet auf den obligatorischen Stand-Up und geht direkt nach dem tosenden Einstiegsapplaus zur zwitterhaften Stadt-/Saal-Wette über. Ich fühle mich ein bißchen weniger angekommen als sonst, schaue aber tapfer weiter zu.

Jörg Pilawa wird als erster Gast auf die Couch gebeten. Mich erinnert er an die Grinsekatze aus „Alice im Wunderland“, Gottschalk hingegen kündigt ihn ganz bescheiden als Vertreter des Bildungsfernsehens an: Schließlich moderiere der Kollege ja Quizsendungen und als Zuschauer sei man hinterher immer etwas schlauer. Und schon legen die beiden los und betreiben ein scheinheiliges Format-Bashing gegen das Dschungelcamp.

Eine derart große Ansammlung von Silikon sei einzigartig in Deutschland – und sowas wolle ja nun wirklich niemand sehen. Ich frage mich jedoch, ob die Brust-OP-Quote von Gottschalks Damenbesuch wirklich deutlich kleiner ist. Im Dschungel liegt der Schnitt bei 3:2 (und das Implantant, wie wir gelernt haben, über oder unter dem Muskel) und dieses Verhältnis scheint mir für Hollywood-Schönheiten und deutsche Promi-Ladies generell eine realistische Schätzung.

Ob es eine Option sei, wenn sich Moderatoren ihres Kalibers auch einmal mit ekligem Getier umgeben würden, lautet Gottschalks nächste Frage sinngemäß. Die Antwort des unfassbar überheblich wirkenden Pilawa ist natürlich ganz klar nein, das Publikum wird durch eine übertrieben lange Pause zu einem ungewollten Zwischenapplaus gezwungen.

Aber ob nun Gottschalk als Würstchen im Senftopf badet oder Peter Bond geaalschleimt und gefedert wird, das Niveau ist absolut das gleiche – nur die gute Quote liegt eben nicht mehr beim sinkenden Samstagabend-Flagschiff und seinem divenhaften, gekränkten Moderator, der sich damit nicht so recht abfinden mag.

Noch während des Talks mit Pilawa erkläre ich den „Wetten, dass… ?“-Abend für beendet. Eine gute Entscheidung, wie sich hinterher herausstellt. Denn auch die Kot-Wette und die transig-tuckige Karnevalsgarde sind deutliche Anbiederungen an das offziell verhasste, insgeheim aber zum Vorbild genommene RTL-Konkurrenzprogramm.

Den Quotenkampf entscheidet „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus“ übrigens mit 37,5 zu 24 Prozent Zielgruppen-Marktanteil klar für sich. Und auch in puncto Öffentlichkeitswirkung und Medienecho liegt der Dschungeltrash vorn: SPIEGEL ONLINE etwa veröffentlicht sage und schreibe drei Artikel zum Finale von „IBES“ und einen zum Thema „Wetten, dass… ?“.  ■

http://www.quotenmeter.de/cms/?p1=n&p2=32738&p3=

 

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Wetten, dass… bald Schluss ist?

Sonntag, 9. November 2008 · 1 Kommentar

Ich hab Thomas Gottschalk gern. Wirklich. Er ist sympathisch, lustig, schlagfertig. Aber ich mache mir große Sorgen um „Wetten, dass…?“. Am Samstag hatte das Flagschiff erstmals weniger als 10 Millionen Zuschauer. Und irgendwie habe auch ich stellenweise nicht so gern hingesehen …

Bald Schluss?

Bald Schluss?

Das Gefühl, mit guten Freunden einen geselligen Abend verbracht zu haben – meines Erachtens das Alleinstellungsmerkmal von „Wetten, dass…?“ – stellte sich dieses Mal leider nicht ein. Zu unrund kam die Sendung daher, überrascht wurde man als Zuschauer meist negativ.

Bereits nach dem halbwegs galanten Geplauder mit Günther Jauch kamen sich die beiden Wettkandidaten, zwei unausgelastete Bürokraten Büroakrobaten, ziemlich witzig vor. Das Publikum strafte ihre vorbereiteten Sprüchlein („Wette gewonnen, Zähne verloren“) mit eiserner Stille.

Weiter ging’s mit der Entzauberung eines Helden: Gewichtheber Matthias Steiner, der uns mit seiner sportlichen Leistung bei den Olympischen Spielen begeisterte und durch seine liebevolle Geste bei der Medaillenverleihung zu dem ein oder anderen Tränchen rührte, entpuppte sich als seltsam unsympathisch. Zu gern wollte er beweisen, dass man als Gewichtheber nicht nur was in den Schienen sondern auch im Köpfchen haben kann. Besserwisserisches Palavern oder Einfach-mal-auf-Englisch-das-Wort-Ergreifen dürften seine Chancen auf hochdotierte Werbeverträge für leistungsstarke Küchenmaschinen oder hammerharte Urinsteinentferner wieder ein wenig zunichte gemacht haben.

Dann gab’s noch die schwangere Anke Engelke und diese andere Frau, bei der sich alle (inklusive sie selbst) fragten, warum sie überhaupt mitgekommen war. Aufgrund der geschickten Sitzordnung geriet Fernsehkommissarin Ulrike Kriener schnell in Vergessenheit, auch wenn Thomas Gottschalk es sich nicht nehmen ließ, ab und an aus Höflichkeit das Wort an sie zu richten.

Mick Hucknall, der Frontmann von Simply Red, war wiederum extra gekommen, um nicht in Vergessenheit zu raten. Zwar liegen alle Erfolge der Soulcombo längst im letzten Jahrtausend und eine neue CD ist auch nicht in Sicht, doch nach seinem Medley bemerkte der Sänger folgerichtig „Ich wohne schon hier“.

Die bezaubernde Uma Thurman hat hoffentlich keinen all zu schlechten Eindruck von Deutschland bekommen, denn obwohl sie sich beeindruckend charmant gab, quittierte das Saalpublikum ihre Antworten meist ohne Regung. Fast peinlich sind mir diese Situationen, in denen internationale Gäste erfolglos auf einen Zwischenapplaus warten, der Günther Jauch und Co. ohne Weiteres spendiert wird.

Vielleicht ist hieran aber auch die ungelenke Synchronübersetzung schuld, die sich in dieser Sendung auch an anderer Stelle wieder einmal ganz besonders als stimmungstötend hervortat: Minutenlang rätselte man, was sich hinter dem von Koch Jamie Oliver eingeworfenen Gericht „codsemen“ (?), vermutlich Kabeljau-Samen, verbergen könnte. Von „Lachs“ bis „Ejakulat“ war alles im Angebot und Thomas Gottschalks hastiger Themenwechsel mündete auch noch etwas unbeholfen in einem indirekten Affront gegen den Starkoch, da Kochshows angeblich sterbenslangweilig seien.

Zu groß wurde in dieser Sendung meiner Meinung nach der Kindchenfaktor geschrieben. Denn gleich mehrere Pimpfe versuchten mit ihren atemberaubenden Fähigkeiten zu punkten. Der redselige Jeremy Becker etwa kannte alle 43 amerikanischen Präsidenten beim Namen und konnte sie ihrer Amtszeit zuordnen. Das ist sicherlich mindestens so beeindruckend, als wenn sich ein Schüler die Namen und Geburtstage seiner Mitschüler merken kann. Und das kleine Stadtwetten-Paulinchen eiferte dem erfolgsverwöhnten Pianisten Lang Lang nach, indem es den Flohwalzer in 10.12 Sekunden runterratterte.

Thomas Gottschalk, in seiner unbeschreiblich verwirrten Art, war am Ende der Meinung, er müsse nach verlorener Wette seinen Einsatz einlösen und einen Bären füttern. Doch zu früh gefreut – zumindest als Zuschauer, denn nach Aufklärung des Missverständnisses (er hatte die Stadtwette in Wirklichkeit gewonnen) folgte nur noch eine unspektakuläre Abmoderation.

Aber all der Nörgelei zum Trotz: Lieber Thomas, gib nicht auf! Vielleicht reichen ja in Zukunft vier Sendungen pro Jahr. Oder setz’ mal eine Staffel aus. Denn gerade nach über zwanzig Jahren gilt: Nichts im Übermaß! Das ist das Gesetz der Serie … ■

http://www.wetten-dass.de

 

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