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Flop! Die Misserfolgsshow?

Sonntag, 9. November 2008 · Kommentar schreiben

Enttäuschte Gesichter bei Sat.1: Weniger als zwei Millionen Zuschauer konnten sich für «Peng! Die Westernshow» begeistern.

Barbara Schöneberger

3,5 Sekunden hoch zu Bulle: Barbara Schöneberger

Heftiges Getuschel war in Branchenkreisen zu vernehmen, als sich Sat.1 Anfang August 27 Titel à la „Peng! Die Westernshow“ im deutschen Titelschutz Anzeiger sicherte. Albern, billig, niveaulos. Aber, hey, wo ist die Überraschung? So sind wir es von Sat.1 gewohnt. Seit Jahren verwöhnt uns der Bällchensender schließlich mit dem „Sat.1 Film Film“ – dem absoluten Dummtitel-Original. Und auch „XXO – Fritz und Co.“ und „Das Goldene Ei“ zeugten ihrerzeit nicht gerade von feingeistigen Höhenflügen.

Um so entsetzter bin ich, als ich mir die Wiederholung der Auftaktsendung am heutigen Sonntagmittag zu Gemüte führe: Die Show gefällt mir! Denn sie ist irgendwie altmodisch – im besten Sinne. Ein leichter Hauch 80er-Jahre-Flair weht durch meine Stube. Spiel ohne Grenzen, Dalli Dalli, sehr nett.

Jeweils drei Prominente treten pro Sendung gegen drei spontan aus dem Publikum ausgewählte Kandidaten an. Die Kontrahenten duellieren sich in mehreren sogenannten „Actionspielen“. Die Verlierermannschaft eines Spiels kann den Verlust des Punktes in einem sogenannten „Köpfchenspiel“ wieder ausgleichen. Die Wettbewerbe variieren von Sendung zu Sendung und orientieren sich am jeweiligen Titel. Nun gut, wie gesagt kein bahnbrechend neues Konzept, aber es kommt ja vor allem auf die Umsetzung an.

Und die konnte mich überzeugen: Niemand moderiert so routiniert-teilnahmslos und doch zugleich so angenehm wie Hugo Egon Balder. Seine jahrzehntelange Erfahrung im kostengünstigen Gaga- und Kirmes-TV-Bereich wirkt sich extrem positiv auf die Stimmung aus. Als Action-Kracher, nach denen man sprachlos Mund und Nase aufsperrt, kann man die Spiele wahrlich nicht bezeichnen, aber Parcours und Übungen sind liebevoll gestaltet und lassen einen gewissen Witz nicht vermissen. So wird das für eine Westernsendung unvermeidliche Rodeoreiten nicht auf einem motorisierten Bullen sondern auf einer aufblasbaren Variante ausgetragen, an der sich die gegnerische Mannschaft mit bester Mannes- und Frauenkraft zu schaffen macht. Samstagabend-Stimmung und die alte „Alles nichts oder“-Anarchie blitzen auf, wenn Balder spontan Spielzeiten verlängert oder sich auf die Seite der Publikumsteilnehmer stellt („Bei Gleichstand gewinnt mein Team“).

Die geladene Prominenz stammt – wie es zu erwarten war – aus den Kategorien B-D. Aber das tut der guten Atmosphäre keinen Abbruch, denn alle erweisen sich als gut aufgelegt. Barbara Schöneberger, trotz ihrer Gastgeberposition bei der „NDR Talkshow“ hauptberuflich offenbar immer noch selbst Gast, präsentiert sich vor allem beim Bullenreiten ausgelassen und insgesamt gewohnt fröhlich-schlagfertig. Offenbar ist es die Routine für peinliche bis infantile Spiele aus ihrer Kult-Sendung „Blondes Gift“, die sich hier bemerkbar macht.  Schauspieler Ingo Naujoks eignet sich vor allem aufgrund seiner Vorliebe für Western für die Sendung und Moderatorenazubi Oliver Petszokat macht vom Seilspringen bis hin zum Pferdchenreiten eine sportliche Figur. Ein überraschend gut harmonierendes Team für den Auftakt.

Schade dass die Premierensendung am Freitagabend nur magere 9,7 Prozent in der Zielgruppe eingefahren hat. Auch beim Gesamtpublikum sieht es mit einem Wert von 6,4 Prozent nicht besser aus. Die Quotendurststrecke auf dem 20.15-Uhr-Sendeplatz ist für Sat.1 also noch nicht beendet. Dass sich das Blatt mit „Holldriöh! Die Alpenshow“ am nächste Woche grundlegend wandelt, darf bezweifelt werden. Zu Gast sind dann Guido Cantz, Sonya Kraus und Bernhard Hoecker.

Bereits in den Startlöchern stehen „Schlotter! Die Gruselshow“ und „Aloha! Die Südseeshow“. Ob die restlichen 23 Titel ebenfalls umgesetzt werden, muss die Quotenentwicklung erweisen.  ■

http://www.quotenmeter.de/index.php?newsid=30848

 

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Wetten, dass… bald Schluss ist?

Sonntag, 9. November 2008 · 1 Kommentar

Ich hab Thomas Gottschalk gern. Wirklich. Er ist sympathisch, lustig, schlagfertig. Aber ich mache mir große Sorgen um „Wetten, dass…?“. Am Samstag hatte das Flagschiff erstmals weniger als 10 Millionen Zuschauer. Und irgendwie habe auch ich stellenweise nicht so gern hingesehen …

Bald Schluss?

Bald Schluss?

Das Gefühl, mit guten Freunden einen geselligen Abend verbracht zu haben – meines Erachtens das Alleinstellungsmerkmal von „Wetten, dass…?“ – stellte sich dieses Mal leider nicht ein. Zu unrund kam die Sendung daher, überrascht wurde man als Zuschauer meist negativ.

Bereits nach dem halbwegs galanten Geplauder mit Günther Jauch kamen sich die beiden Wettkandidaten, zwei unausgelastete Bürokraten Büroakrobaten, ziemlich witzig vor. Das Publikum strafte ihre vorbereiteten Sprüchlein („Wette gewonnen, Zähne verloren“) mit eiserner Stille.

Weiter ging’s mit der Entzauberung eines Helden: Gewichtheber Matthias Steiner, der uns mit seiner sportlichen Leistung bei den Olympischen Spielen begeisterte und durch seine liebevolle Geste bei der Medaillenverleihung zu dem ein oder anderen Tränchen rührte, entpuppte sich als seltsam unsympathisch. Zu gern wollte er beweisen, dass man als Gewichtheber nicht nur was in den Schienen sondern auch im Köpfchen haben kann. Besserwisserisches Palavern oder Einfach-mal-auf-Englisch-das-Wort-Ergreifen dürften seine Chancen auf hochdotierte Werbeverträge für leistungsstarke Küchenmaschinen oder hammerharte Urinsteinentferner wieder ein wenig zunichte gemacht haben.

Dann gab’s noch die schwangere Anke Engelke und diese andere Frau, bei der sich alle (inklusive sie selbst) fragten, warum sie überhaupt mitgekommen war. Aufgrund der geschickten Sitzordnung geriet Fernsehkommissarin Ulrike Kriener schnell in Vergessenheit, auch wenn Thomas Gottschalk es sich nicht nehmen ließ, ab und an aus Höflichkeit das Wort an sie zu richten.

Mick Hucknall, der Frontmann von Simply Red, war wiederum extra gekommen, um nicht in Vergessenheit zu raten. Zwar liegen alle Erfolge der Soulcombo längst im letzten Jahrtausend und eine neue CD ist auch nicht in Sicht, doch nach seinem Medley bemerkte der Sänger folgerichtig „Ich wohne schon hier“.

Die bezaubernde Uma Thurman hat hoffentlich keinen all zu schlechten Eindruck von Deutschland bekommen, denn obwohl sie sich beeindruckend charmant gab, quittierte das Saalpublikum ihre Antworten meist ohne Regung. Fast peinlich sind mir diese Situationen, in denen internationale Gäste erfolglos auf einen Zwischenapplaus warten, der Günther Jauch und Co. ohne Weiteres spendiert wird.

Vielleicht ist hieran aber auch die ungelenke Synchronübersetzung schuld, die sich in dieser Sendung auch an anderer Stelle wieder einmal ganz besonders als stimmungstötend hervortat: Minutenlang rätselte man, was sich hinter dem von Koch Jamie Oliver eingeworfenen Gericht „codsemen“ (?), vermutlich Kabeljau-Samen, verbergen könnte. Von „Lachs“ bis „Ejakulat“ war alles im Angebot und Thomas Gottschalks hastiger Themenwechsel mündete auch noch etwas unbeholfen in einem indirekten Affront gegen den Starkoch, da Kochshows angeblich sterbenslangweilig seien.

Zu groß wurde in dieser Sendung meiner Meinung nach der Kindchenfaktor geschrieben. Denn gleich mehrere Pimpfe versuchten mit ihren atemberaubenden Fähigkeiten zu punkten. Der redselige Jeremy Becker etwa kannte alle 43 amerikanischen Präsidenten beim Namen und konnte sie ihrer Amtszeit zuordnen. Das ist sicherlich mindestens so beeindruckend, als wenn sich ein Schüler die Namen und Geburtstage seiner Mitschüler merken kann. Und das kleine Stadtwetten-Paulinchen eiferte dem erfolgsverwöhnten Pianisten Lang Lang nach, indem es den Flohwalzer in 10.12 Sekunden runterratterte.

Thomas Gottschalk, in seiner unbeschreiblich verwirrten Art, war am Ende der Meinung, er müsse nach verlorener Wette seinen Einsatz einlösen und einen Bären füttern. Doch zu früh gefreut – zumindest als Zuschauer, denn nach Aufklärung des Missverständnisses (er hatte die Stadtwette in Wirklichkeit gewonnen) folgte nur noch eine unspektakuläre Abmoderation.

Aber all der Nörgelei zum Trotz: Lieber Thomas, gib nicht auf! Vielleicht reichen ja in Zukunft vier Sendungen pro Jahr. Oder setz’ mal eine Staffel aus. Denn gerade nach über zwanzig Jahren gilt: Nichts im Übermaß! Das ist das Gesetz der Serie … ■

http://www.wetten-dass.de

 

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